SVP Senioren

Spiel ohne Grenzen? Ohne uns!

10.02.2016

Gedanken von Paul Hunziker

Spiel ohne Grenzen? Ohne uns!

Ältere Semester erinnern sich:
„Spiel ohne Grenzen“ war eine in den 1960-er und 1970-er Jahren beliebte Spielshow und neben dem Grand Prix Eurovision de la Chanson die einzige sprachübergreifende Unterhaltungssendung (aus Wikipedia).

Im Mai 1965 erfolgte die Erstausstrahlung. Vor also ziemlich genau 50 Jahren begann ein europäisches „Spiel ohne Grenzen“. Im Jahre 1999 wurde die Sendung schliesslich wegen Sparmassnahmen nach 30 Sendungen von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) endgültig abgesetzt. Deutschland war mit anderen europäischen Staaten Produktionsland und gewann das Finale sechsmal. Der WDR und somit eben Deutschland stieg aber schon 1982 aus der Veranstaltung aus.

Nun erleben wir heute auf dramatische Weise ein Revival von „Spel zonder grenzen“. Wieder spielt Deutschland die tragende, bestimmende Rolle. Wieder ist es ein grosser „Strassenfeger“, der jetzt aber täglich direkt und zeitverschoben ausgestrahlt wird. Nur ist es kein Spiel mehr sondern dramatische Wirklichkeit mit unabsehbaren Negativfolgen. Gleichgeblieben ist, dass die „Spielorte“ mit Arena oder theaterähnlichen Kulissen im Freien oft wechseln. Die Spielshows, It’s A Knockout, fanden damals aber nur in den Sommermonaten statt, die heutigen „Folgen ohne Grenzen“ sind ein ganzjähriges Drama.

Erschrecken ist, wie viel die heutige Dramaturgie mit der damaligen Show gemeinsam hat. Die Spiele waren eine Mischung aus sportlicher und geschicklicher Herausforderung. So mussten sich die Teilnehmer zum Beispiel mit Gegenständen – häufig Behälter, in denen Wasser transportiert wurde – über rutschige, oft auch sich bewegende Untergründe, über Wasserflächen und andere Hindernisse zu einem Ziel hin vorkämpfen. Die Gegner versuchten die Angreifer daran zu hindern, in ihren Bereich vorzudringen.

20 Länder haben an den 30 Jeux-Sans-Frontières teilgenommen. Schiedsrichter der internationalen Ausgaben bis und mit 1982 waren zwei frühere Eishockey-Schiedsrichter aus der Schweiz! Am Schweizer Fernsehen hat während fast zwanzig Jahren der populäre Jan Hiermayer diese Sendungen kommentiert.

Meine Vergleiche und schlussfolgernden Fragen:

Deutschland war auch für die Produktion der Show schon federführend und hat am meisten Siege gefeiert. Ist es heute anders?

Aus finanziellen Gründen und wegen Sparmassnahmen wurde von der EBU Games without frontiers  abgesetzt. Müsste heute die EU nicht Gleiches tun?

Die Schweiz war als Teilnehmer nicht besonders erfolgreich, stellte aber die
Schiedsrichter. Heute können wir nicht einmal mehr die „Schiedsrichter“ stellen. Wir werden fremdbestimmt zum Mittun gezwungen.

Deutschland stieg als erstes Land 1980 aus. Wohin bewegt es sich wohl heute bald?

Kommentator war bei uns ein kompetenter Jan Hiermayer. Nun haben wir hier zuhauf Mayers, die inkompetent falsch und tendenziös Bericht erstatten.

In Österreich wurde Giochi senza frontiere nicht übertragen und war dort entsprechend wenig bekannt. Gleiches würde es sich wohl heute wünschen.

Das „Spielprinzip“ ist das gleiche geblieben: Menschen wollen mit nur dem Nötigsten im Gepäck in einen Bereich eindringen, der anderen gehört und den diese verteidigen (sollen/müssen). Klare Grenzen müssen verteidigt werden, ansonsten hat man „verloren“. Wann begreift die EU, dass es heute kein freiwilliges Spiel mehr ist, zu welchem man Staaten und Länder einladen oder zwingen kann?

oder anders gesagt:

dass man „ohne Grenzen“ nur ein Spiel mit klaren Regeln und neutralen, guten Schiedsrichtern spielen, nicht aber ein weltweites Problem lösen kann, indem wir in Europa gewachsene Grenzen nicht nur öffnen sondern auflösen und Kontrollen abschaffen?

Für uns gibt es keinen „Spielzwang“. Wir brauchen nicht auszusteigen (EU), weil wir nie eingestiegen sind. Aber wir müssen dringend verhindern, dass gewisse Automatismen eingeführt, und wir so schleichend noch mehr fremdbestimmt werden.Nicht-Player

Paul Hunziker
Februar 2016

 

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